Short Cuts

Nachhaltigkeit und Ethik nur in guten Zeiten?

19.10.25

Oder gerade jetzt?

Die nachhaltige Entwicklung von Unternehmen – und mit ihr die Nachhaltigkeitskommunikation – stecken in der Defensive. Nicht nur in der Bevölkerung – auch in Unternehmen – wird die Bewältigung anderer Krisen derzeit höher priorisiert.

Angesichts des Backlash verschärft sich die Frage nach der Rolle der Ethik in der Nachhaltigkeitskommunikation. Darüber sprach ich mit Lars Rademacher, Professor für Unternehmens- und Nachhaltigkeitskommunikation an der Hochschule Darmstadt. Er ist Leiter des Promotionszentrums Nachhaltigkeitswissenschaften (PZ NW) und Direktor der Abteilung Informations- und Medienethik am Institut für Kommunikation und Medien (ikum).

Lars beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Ethik in der Kommunikations- und Medienpraxis. Er ist Mitglied des DRPR e. V. – Deutscher Rat für Public Relations e. V. Seit 2022 ist er 2. Sprecher der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK).

Sein Eindruck ist, dass Nachhaltigkeitskommunikation „reichlich pauschal“ als ethisches Handeln definiert wird. Er erklärt dies mit der gängigen Praxis, die klassische Wirtschaftsethik auf Corporate Social Responsibility (CSR) zu verkürzen und CSR mit Sustainability gleichzusetzen. Das Ganze geschehe, „ohne sich tiefer mit der Frage zu beschäftigen, was denn nun eine Ethik der Nachhaltigkeit zu leisten hätte – und was eine Ethik der Nachhaltigkeitskommunikation“.30

Stattdessen plädiert er dafür, stärker zu differenzieren. So stelle sich die Frage, ob Nachhaltigkeit „noch ein freiwilliges Programm oder schon eine Erfüllung eines quasi-gesetzlichen Rahmens“ ist.

Die ethische Reflexion der Nachhaltigkeitskommunikation könne daran anschließend klären, „ob die Kommunikation einen eher beschreibenden oder bereits selbst einen motivierenden, transformativen Stil haben sollte. Und welcher Einsatz von Kommunikationsmitteln gerechtfertigt erscheint.“

Für die Nachhaltigkeitskommunikation ergebe sich eine doppelte Verantwortung: „für die Folgen des Handelns und für den kommunikativ angemessenen Umgang mit diesen Folgen“.

Wer das vollständige Interview nachlesen möchte, findet es am Ende des Kapitels „Grundlagen der nachhaltigen Entwicklung und Nachhaltigkeitskommunikation“ in meinem Buch „Management der Nachhaltigkeitskommunikation“.

(Foto: Maike Hermann)