Welche Rolle spielt die Wirtschaft im Wahlkampf? Und welche danach?
Gestern Abend diskutierten im PresseClub München e.V. Kommunikationsmanager wie politisch Unternehmen sein sollten. Grundlage war das 2. Policy Paper des Expertenkreis Public Affairs.
Unternehmen seien keine Ersatzparteien, betonte Torsten Albig, ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig Holstein und heute Geschäftsführer External Affairs bei PHILIP MORRIS GMBH (PMG). Internationale Unternehmen mit Mitarbeitenden in vielen Ländern und aus vielen Ländern müssten sich auf Werte wie Vielfalt, Toleranz und Respekt verpflichten, machte Iris Brand, Head of Corporate Communications bei Flix, deutlich. Wichtig sei zwischen Haltung und Positionierung zu unterscheiden, hob Isabella Pfaff, Leiterin des Expertenkreises Public Affairs der Deutsche Public Relations Gesellschaft e. V. (DPRG) hervor.
Die anschließende Diskussion hat für mich deutlich gemacht:
✅ Haltung zeigt sich weniger in der Kommunikation als vielmehr im konkreten Handeln.
✅ Unternehmen müssen sich nicht zu jeder politische Debatte äußern.
✅ Wenn die Grundlagen des Geschäftsmodells, wie demokratische und marktwirtschaftliche Prinzipien, berührt werden, müssen sie zeigen, wofür sie stehen.
✅ Es gibt auch Grenzen: Nicht alles, was gefällt, ist opportun. Manche Rainbow-Kampagne hat sich schon ad absurdum geführt.
Das PR-Journal hat in seiner aktuellen Ausgabe einen Rundruf zum Thema von Robert Hoyer veröffentlicht. Drei Unternehmen bekennen sich klar zum Zeigen von Haltung.
🔊 Unternehmen würden „Verantwortung für gesellschaftliche Stabilität“ tragen.
🔊 Werte würden dazu verpflichten, „Verantwortung für Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden sowie die Gesellschaft zu übernehmen“.
🔊 Bei Rassismus, Hass oder Hetze müssten sich Unternehmen klar positionieren.
Zwei Unternehmen sind zurückhaltend:
🔇 Aus Parteipolitik halte man sich raus.
🔇 Politische Entscheidungen würden aus wirtschaftlicher und rechtlicher Perspektive analysiert, „aber ohne ideologische Wertung“.
🔇 Unternehmen sollten sich auf „bei ihren Aussagen auf die tatsächlichen Felder ihrer Expertise fokussieren“.
🔇 Vor Symbolpolitik sei zu warnen.
🔊 Bei universellen Werten sollte dagegen „eine klare Haltung“ gezeigt werden.
Auch wenn sich am Ende Podium und Publikum einig waren, so ist die Diskussion wichtig. Demokratie ist kein Zustand, sondern eine Tätigkeit.
