Gestern Abend auf der Comms & Cocktails bei Allison Worldwide
Die Gesprächsrunde war sich einig: Werte sind unter Druck geraten. Nicht erst seit Januar (der Elefant im Raum). Unternehmen bescheiden sich, ziehen sich zurück. Gerade deswegen ist das konkrete Handeln entscheidend, weniger die Kommunikation.
Dabei zeigte sich auch: Werte spielen in Markenführung und -kommunikation eine völlig andere Rolle als in Mitarbeiterführung und interner Kommunikation. Dort dienen sie als Leitplanken für die Orientierung in unsichereren Zeiten. Sie können differenzierend sein, müssen es aber nicht.
Ich habe aus der Diskussion vor allem nachdenkliche Stimmen mitgenommen:
Björn Sievers, bis vor kurzem Kommunikator von Procter & Gamble Deutschland, betonte die Priorität des Geschäftsmodells in der Wertediskussion. Manche Unternehmen hätten überzogen in der Kommunikation von Werten. Das könnte auch bedeuten „Gutes zu tun und einfach mal die Klappe zu halten“.
Till Krause, Professor für Medien & Kommunikation an der Hochschule Landshut, kritisierte die „Newsroomisierung“ der öffentlichen Kommunikation von Unternehmen. Er warf die These in den Raum, dass es möglicherweise erst die Bereitschaft zur Auseinandersetzung, der Dialog in Unternehmen ist, der Werte zum Leben bringt.
Christian Fox, Gründer der Berliner Agentur markengold PR GmbH, mahnte, Haltung müsse man sich leisten können. Er verdeutlichte an heiklen Fällen, wie schmal und abrutschgefährdet der Pfad zwischen Haltung und Unglaubwürdigkeit sein kann.
Heike Schubert, COO Europe von Allison Worldwide, hat an der Praxis ihrer Agentur eindrücklich gezeigt, wie die regelmäßige selbstkritische Reflexion über die eigenen Werte dazu führt, dass Organisation und Mitarbeitende in Einklang kommen.
Die Grenzen der Wertekommunikation wurden deutlich in der Diskussion über die Rolle der Unternehmenskultur. Die praktizierten und bewährten, aber nicht schriftlich verfassten informellen Regeln in Unternehmen sind schwer zu fassen. Und sie stehen nicht selten im Widerstreit mit der formalen Kommunikation und der Schauseite von Organisationen.
Oder wie Björn Sievers abschließend Peter Drucker zitierte: „Culture eats Strategy for Breakfast“
Sehr hörenswert dazu: die aktuelle Ausgabe #82 des Podcast „Der ganz formale Wahnsinn – was Organisationen zusammenhält“ von Prof. Dr. Stefan Kühl und Andreas Hermwille. Das Thema: „Wieso man Kultur nur indirekt verändern kann“ (Spotify, podcast.de, Apple)
