Kommunikation in der Transformation
Digitalisierung, KI, neue Arbeitswelt und Nachhaltigkeit – grundlegende Umbrüche und Veränderungen prägen die Realität von Unternehmen. Und sie finden alle gleichzeitig statt. Viele Unternehmen setzen dabei auf schnelle Erfolge durch Top-down-Strategien und Push-Kommunikation. Doch bereits erste Formulierungen von Sorgen und Skepsis bringen geplante Veränderungen vielfach zum Stocken.
Was das Management häufig als Bremsen und Widerstand erlebt, ist ein Zeichen, dass es sich wirklich um grundlegende Veränderungen handelt. Sie erhöhen die Komplexität und erzeugen Verunsicherung:
❓Was sind die Gründe für die Veränderungen?
❓Wohin geht die Reise?
❓Welche Chancen sind damit verbunden?
❓Was ist für mich drin?
Aber auch:
⁉️ Welche Risiken kommen auf uns zu?
⁉️ Ist mein Arbeitsplatz sicher?
⁉️ Wer wird zu den Verlierern gehören?
⁉️ Wie wird das Unternehmen mit ihnen umgehen?
Anders als bei klassischen Change-Projekten sind Ziel, Dauer und Ergebnis zu Beginn nicht absehbar. Transformationen sind Lern- und Entwicklungsprozesse für die gesamte Organisation. Das setzt agile Formen des Managements und laterale Führung voraus und erfordert, Betroffene zu Beteiligten zu machen.
Kommunikation ist dabei mehr als Informationsgeber, Vermittler und Moderator. Sie ermöglicht und erzeugt überhaupt erst die Veränderungen. Ansätze entstehen in alltäglichen, flüchtigen Interaktionen und Gesprächen zwischen den Mitgliedern einer Organisation. Sie verdichten sich zu neuen Bedeutungen, z.B. durch Strategiekonzepte, Lernprogramme sowie neue Regeln, Richtlinien und Werte.
Damit folge ich Überlegungen der „Montrealer Schule“ der Organisationskommunikation (Communication constitutes Organization). Sie schreibt der Kommunikation eine konstitutive Rolle für Organisationen zu. Ähnlich Auffassungen vertreten die Systemtheorie von Niklas Luhmann und neuere Ansätze der Organisationssoziologie bei Stefan Kühl.
Vieles scheint auf den ersten Blick ungewohnt. Es erfordert, die Annahme DER EINEN OBJEKTIVEN WIRKLICHKEIT aufzugeben, und den Glauben zu verwerfen, man könne durch Kommunikation wie bei Maschinen automatisch Ergebnisse erzielen. Realistischer ist es, von so vielen Wirklichkeiten auszugehen, wie es Menschen gibt, und den „Empfängern“ in der Kommunikation dieselbe Relevanz zuzuschreiben wie den „Sendern“. Gelingende Transformation ist dann das Ergebnis einer gemeinsam durch Kommunikation ausgehandelten Wirklichkeit.
Wer mehr erfahren möchte über die „doppelte Integration“ der Kommunikation und ihre „Synchronisation“ mit Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft findet dies in meinem Beitrag in der Reihe „Kommunikationsmanagement“.
